Viele Fragen ungeklärt


Die wissenschaftliche Literatur über Crowdsourcing fokussiert momentan überwiegend auf die Perspektive der Crowdsourcer. Dies ist damit begründet, dass sich in der Praxis eher Unternehmen dem Themenfeld Crowdwork anähern und sich mit dessen Beschaffenheit und möglichen Implikationen vor dem Hintergrund der Unternehmensziele auseinanderzusetzen. Andere Fragen sind kaum oder völlig unerforscht. Ein Überblick von Jan Marco Leimeister, Shkodran Zogaj und Ivo Blohm.


Kernaussagen

  1. Ob und inwieweit ist Crowdsourcing auf unterschiedliche Aufgabentypen anwendbar?
  2. Wie genau sind die Arbeitsbedingungen beim internen und beim externen Crowdsourcing?
  3. Wie gestaltet sich die Arbeit in der Crowd und führt die Umsetzung von Crowdsourcing zu einer Veränderung der Belastung und Selbstbestimmung von Mitarbeitern, einee Veränderung von internen und/oder kollegialen Kommunikationsprozessen oder allgemein der Unternehmenskultur


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Crowdwork ist für viele Unternehmen eine ernstzunehmende Alternative für die Aufgabenbearbeitung geworden. Folglich ist auch das Interesse an Erkenntnissen zur optimalen Einführung und zum Einsatz beziehungsweise Management von Crowdwork gestiegen. Mit Bezug auf unterschiedliche Aspekte fehlen beispielsweise Erkenntnisse, welche unternehmensinternen Aufgaben wie ausgelagert werden können. Das in diesem Beitrag beschriebene Vorgehen – die Konkretisierung der Aufgaben – ist sinnvoll und laut einigen Forschern unabdingbar. Noch nicht geklärt aber ist, ob und inwieweit das Vorgehen auf unterschiedliche Aufgabentypen anwendbar ist: Ist ein Crowdosurcing-Projekt aus dem Marketingbereich genauso durchzuführen wie eine crowdbasierte Softwareentwicklung? Sollten die hierfür passenden Anreizstrukturen und Kontrollmechanismen ähnlich implementiert werden oder nicht?

Dies sind nur einige von vielen Fragen, die in Bezug auf Crowdwork aus der Perspektive der Crowdsourcer zu klären sind. Mindestens genauso viele Fragen ergeben sich auch im Hinblick auf die Erforschung des Phänomens aus Sicht der Crowdworker. Forschungsbedarf besteht insbesondere in Bezug auf die Arbeitsformen und Arbeitsbedingungen im Rahmen von Crowdwork. Wie genau sind die Arbeitsbedingungen beim internen und beim externen Crowdsourcing? Inwieweit unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen zwischen dem zeitorientierten (vor allem der Bereich Mikroaufgaben) und dem ergebnisorientierten Wettbewerbsansatz (vor allem Makroaufgaben und kleinere Projekte)? In diesem Zusammenhang ist somit zu klären, wie die Crowdworker im Rahmen unterschiedlicher Crowdsourcing-Initiativen die Aufgaben bewältigen – zum Beispiel kollaborativ oder  wettbewerbsorientiert; und wie hierbei die Arbeitsbedingungen, zum Beispiel Entlohnung, Arbeitszeit und –aufwand, ausgeprägt sind. Bisher existieren keine Studien über die sich für Arbeitnehmer ergebenden Implikationen im Rahmen vom internen (der Crowdworker als Mitarbeiter) Crowdsourcing. Es liegen keine Erkenntnisse dahingehend vor, wie sich die Arbeit in der Crowd gestaltet und ob entsprechend mit der Umsetzung von Crowdsourcing beispielsweise eine Veränderung der Belastung und Selbstbestimmung von Mitarbeitern, eine Veränderung von internen und/oder kollegialen Kommunikationsprozessen oder allgemein der Unternehmenskultur einhergeht – und in welchem Ausmaß. Darüber hinaus sind insbesondere für den deutschen Arbeitsmarkt so gut wie keine verlässlichen Studien oder Fakten erhältlich. Ausgehend von dieser Form der Arbeit in der Wolke stellen sich auch substanzielle Fragen zur Zukunft der Mitarbeitervertretung, für die bisher ebenfalls keine Szenarien oder konzeptionellen Überlegungen anzutreffen sind.

In der folgenden Tabelle sind neben diesen noch weitere Sachverhalte aufgeführt, die durch zukünftige Forschungsarbeiten in Bezug auf beide Perspektiven, die der Crowdsourcer und die der Crowdworker, zu adressieren sind.



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AutorIn / Quelle
Jan Marco Leimeister, Shkodran Zogaj und Ivo Blohm.
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Stand
01.10.2014


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